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| Außenansicht, April 2004
|  | Kanzelaltar, April 2004 |  | Goldene Konfirmation, Mai 2004 |  | Innenraum, Detailansicht |
"In der Nähe von Oechsen, entlang des Baierberges, südwestlich von Stadtlengsfeld, liegt Gehaus. 1506 kaufte Ludwig v. Boineburg Gehaus - damals wohl nur ein Hof. In unmittelbarer Nähe des Schlosses steht die Kirche, welche 1765-1767 erbaut wurde. Sie kann nur wenige Barockornamente aufweisen. Auf eine früher in Gehaus befindliche Kirche oder Kapelle deutet nur noch der Rest eines Taufsteins aus dem Jahre 1574 hin. Die äußere Gestaltung der Kirche ist sehr schlicht gehalten. An der Ostseite steht der Turm. Sein Hauptteil ist viereckig mit flachbogigen Fenstern. Darauf folgt ein achteckiges Geschoß mit breiten Rundbogenfenstern.
Das Innere der Kirche bietet nichts bemerkenswertes. Hinter dem Alter erhebt sich in der Mittelachse der Kirche ein mit toscanischen Säulen verzierter hölzerner Aufbau, welcher die Kanzel hält. Darüber befindet sich die Orgelempore. Die Decke über dem Mittelraum zwischen den Emporen besteht aus drei hölzernen Kreuzgewölben.
Auf dem Schlussstein des Westportals ist die Inschrift (Lue.12.cap.32) zu lesen: "fürchte dich nicht du kleine heerte CI BH DOS fOX Anno 1765" Erstaunlich ist, dass dieser Vers schon im 18. Jahrhundert gewählt wurde, als es noch zum guten Ton gehörte, "kirchlich" zu sein.
1968 wurde die Kirche sachkundig und geschmackvoll renoviert. Das dunkle Holz der Emporen und des Altars hebt das Weiß der Wände um so stärker hervor und schafft eine warme Atmosphäre."
Text: Arthur Stütz (Wölferbütt), zitiert nach Günter Kaiser, "Meine Heimat, Kirchen - Landschaften - Denkmäler"


aus: "Gehaus - Geschichte und Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart" von Paul Gerstung
"Eine Kirche als religiösen Mittelpunkt muss es schon früh in unserem Dorf gegeben haben. Dafür spricht auch der in der Kirchenchronik überlieferte, das Jahr 1506 betreffende Hinweis, wonach Ludwig von Boineburg nach Inbesitznahme der Wüstung Gehowes (dem heutigen Gehaus) und später seine Söhne "... das Land gerottet und Kirche und Pfarrhaus erbauten".
Nach Knips` "Amtsgeschichte" ist die heutige Kirche auf dem Boden einer bis dahin bereits bestehenden und eigens für den vorgesehenen Kirchenneubau abgerissenen "Filialkapelle" erbaut worden. Wenn das stimmt, so dürfte es sich bei dieser Filialkapelle mit aller Wahrscheinlichkeit um den in der Kirchenchronik o.a., vermutlich um die Mitte des 16. Jh. entstandenen ersten Gehauser Kirchenbau handeln und bei dem heute im Altarraum aufgestellten Taufstein aus dem Jahr 1577 möglicherweise um den ältesten Taufstein der Gehauser christlichen Gemeinde.
Dem Ausbruch des 30-jährigen Krieges muß man es wohl zuschreiben, dass der geplante Kirchenneubau, wegen der rasch wachsenden Bevölkerung inzwischen dringend notwendig geworden, vorerst nicht zustandekommt.
Mehr als 100 Jahre müssen noch ins Land gehen, bevor am 22. Mai 1765 der Grundstein für das neue Gotteshaus gelegt wird. Die Jahreszahl ist in den Schlußstein am Ostportal eingemeißelt. Wie überliefert, predigt der damalige Pfarrer Christian Borchardt vor einer großen festlichen Gemeinde über den Bibeltext 1. Mose, Kap. 28, Vers 18-22.
Das Baumaterial, die Sandsteinblöcke also, entnimmt man der Region des an den alten Friedhof angrenzenden hinteren Schloßgartens. Was sonst von Steinen noch fehlt, wird aus der Flur herangeschafft.
Bauleiter ist Valentin Nordheim aus dem Dorf. Die Fenster stammen aus einer Glaserei in Weilar, die Zimmerleute sind Wölferbütter und die Dachziegeln "...sind in einer Hütten in Völkershausen gemacht". Das neue evangelische Pfarrhaus, etwa zur gleichen Zeit wie die Kirche errichtet und gegenüber dem Standort der alten Pfarrei zum Park hin versetzt, wird von einem Zimmermann Gabert aus Geisa gebaut.
Als die Gehauser 1767 ihre neue Kirche einweihen, haben sie sich selbst damit ein Denkmal gesetzt. Die Jahreszahl der Einweihung ist in dem kupfernen Wetterhahn auf der Turmspitze verewigt.
Erstmals im Herbst 1777 begleitete die von Thielemann Müller in Bad Salzungen gebaute Orgel den Gesang der Kirchgemeinde.
Als Baudenkmal ist die Kirche mit ihren festungsartigen Mauern, dem mächtigen, 27 Meter hohen Turm und dessen 8-eckiger Schweifkuppel ein einfaches, in romanischem Stil errichtetes Bauwerk, mit dem Hauptportal an der Ostseite als einzigem Schmuck.
Fast schmucklos auch das in schlichtem Barockstil gestaltete Kircheninnere, mit seinen 2-geschossigen Emporen, der Orgelempore und dem Altarraum. In der Einfachheit des braun gebeizten Gestühls und der Emporenbrüstung, ohne künstlerisches Beiwerk und architektonische Besonderheit, ist sie auch heute noch die schlichte Dorfkirche von einst.
Die Glockenstube mit dem mächtigen Balkenwerk und den vier gotischen Lichtöffnungen beherbergt ein Trio von Glocken: die kleine, inzwischen ausgediente Klängelglocke, die älteste und größte aus dem Jahr 1634 sowie deren seit 1939 über unseren Dächern dröhnende jüngere Schwester. Seit 1934 sorgt ein Elektromotor für den nötigen Schwung und auch dafür, dass der von vielen Gehauser Generationen tracktierte Blasebalg endgültig ausgedient hat.
1934 wird erstmals (?) die unter dem Altarraum befindliche Gruft geöffnet. Sie enthält Reste menschlicher Skelette, den Schädel eines Hundes, einen Kerzenhalter, Porzellanscherben sowie die mysteriöse "blaue Perle", die sich später jedoch als weniger kostbare Bernsteinperle herausstellt. Die Gruft, mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits unter der alten Filialkapelle angelegt, ist Ruhestätte und zugleich Erbbegräbnis der ersten in Gehaus ansässigen Boineburgs.
Bereits 1920 schon einmal geöffnet, wird das Innere des Turmknopfs 1972 anlässlich einer Dachreparatur nochmals ans Licht des Tages gebracht. Was man wieder vorfindet, sind die wenigen alten Münzen aus den Jahren 1760 bis 1868 daneben jene Urkunde aus dem Jahr 1818, in der man den Versuch einer Deutung unseres Ortsnamens macht.
Da wird zunächst Gehaus von dem Wort "Kuhhaus" abgeleitet, eine sicherlich unzutreffende Interpretation. Verständlicher dagegen eine Auslegung, die in der Vorsilbe "Ge" eine Sammelbezeichnung sehen will, in der sich eine Mehrzahl von Gegenständen ausdrückt. So wie nämlich aus den Worten "Busch" Gebüsch und aus "Wasser" Gewässer geworden sind, so könnte vielleicht nicht zu Unrecht, als Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Häusern aus "Haus" auch Gehaus entstanden sein. Woher tatsächlich aber unser Name stammt und wie aus den urkundlich überlieferten Namen Gehusen, Gohhusa, Gehowes, Gehäuß schließlich Gehaus geworden ist, darüber müssen sich die Namensforscher schon den Kopf zerbrechen.
Zwei weitere im Turmknopf deponierte Urkunden aus den Jahren 1920 und 1950 sind Zeitdokumente aus den Jahren nach dem 1. und 2. Weltkrieg. (...)
Am 28.6.1818 während des Nachmittag-Gottesdienstes zerstört ein schweres Gewitter die Westseite des Turms und beschädigt Kirchendach und Kirchturmsuhr. Schiefer und übriges Material müssen unter schwierigen Umständen herangeschafft und die Reparatur des Schadens mit 85 Reichstalern von der Kirchgemeinde zudem teuer bezahlt werden.
Nach der Innenrenovierung im Jahr 1893 und wiederholten Reparaturen am Turm, geht man 1967 daran, das Kircheninnere unter Mitwirkung eines Restaurators aus Halle auf eigene Kosten gründlich zu überholen. Nach Abschluß wird die neu renovierte Kirche am 8.9.1968 unter Teilnahme des Landsbischofs Mitzenheim in einem festlichen Gottesdienst eingeweiht.
Noch als zahlmäßig kleine Gemeinde erlebt unser Dorf die Zeit Martin Luthers und die Reformationszeit. Die Boineburgs, die lutherischer Glaubenslehre und dem Geist der Reformation eng verbunden sind, bewirken, dass sich ab 1528, und das heißt lange schon vor der Reformation, die Tore evangelischer Glaubens- und Religionsausübung öffnen.
Wann Gehaus reformiert worden ist, weiß man nicht genau zu sagen, wohl aber, dass die Reformation von den Hennebergern zu uns gekommen ist. Dort ist es Georg Ernst von Henneberg, der 1544 die Augsburger Konfession (grundlegende lutherische Bekenntnisschrift, von Melanchthon verfasst und 1530 auf dem Augsburger Reichstag Kaiser Karl V. überreicht) annimmt, bereits 1543 aber schon damit beginnt, zusammen mit Dr. Johann Forster die Henneberger Grafschaft zu reformieren. Das heißt, Kirchen mit evangelischen Pfarrern und Schulen mit evangelischen Lehrern zu besetzen.
Für Gehaus ist der Zeitraum der Reformation von 1545 bis 1550 wahrscheinlich. Die Bezugnahme in einer Weilarer Kirchenurkunde aus dem jahre 1558 auf einen Pfarrer in Gehaus (leider ohne Angabe des Namens) dürfte dagegen mit der Einführung kaum etwas zu tun haben.
1570 leitet Fürstabt Balthasar von Dermbach auf dem Thron der Fuldaer Äbte unter Assistenz von 24 Jesuiten die Gegenreformation ein. Die reformierte Ritterschaft, darunter die Boineburgs, die Ritter v.d.Tann, v.Mansbach, v.Gersfeld u.a.m. nehmen dessen gewaltsame Erneuerungsversuche nicht stillschweigend hin. Sie erzwingen vielmehr seine Abdankung und Verbannung in ein 17-jähriges Exil, aus welchem er durch kaiserliches Dekret erst 1602 wieder auf seinen fürstlichen Stuhl zurückkehrt.
Sein Ziel, die Reformation rückgängig zu machen, setzt er innerhalb seines Herrschaftsbereichs mit unversöhnlicher Härte durch. Er kann sich dabei auf Reichsrecht, den s.g. Augsburger Religionsfrieden von 1555 berufen, demzufolge der Landesfürst die Religionszugehörigkeit seiner Untertanen bestimmt. Manch eine der ihres evangelischen Glaubens wegen von Haus und Hof vertriebenen Familien aus dem Geisaer Amt mag damals auch im Amt Lengsfeld Zuflucht und unter Boineburgs Schutz vor religiöser Verfolgung gefunden haben.
Fuldaischem Befehl zufolge werden Tanz- und Jahrmarksveranstaltungen an Sonn- und Feiertagen verboten.
Am 10.3.1628 erscheinen fuldaische Abgesandte und zeigen den Boineburgs an, dass die katholische Religion wieder einzuführen sei, die evangelischen Prädikanten die Wohnungen zu räumen und die sie begleitenden Pfarrherrn, Kirchendiener und Schulmeister aus Lengsfeld, Weilar und Gehaus wieder den katholischen Gottesdienst zu versehen hätten.
Die Boineburgs protestieren und machen die angeordneten Massnahmen später wieder rückgängig. Aber erst ab 1630 bleibt auch Gehaus, nachdem durch kaiserlichen Erlass die Gegenreformation in den reichsritterschaftlichen Ämtern untersagt ist, wie die anderen Orte des Amtes endgültig lutherisch. Aus der Zeit der Gegenreformation sind uns aus unserem Dorf als Pfarrer die Namen Hertung Kessler (1602-1620) und Konrad Mylius (1621-1628) überliefert.
Aus Anlass der 300-jährigen Wiederkehr der Reformation und entsprechend einer Order des Weimarer Großherzogs Carl-August feiert das Dorf, wie alle Gemeinden des Großherzogtums, 1817 (31.10) das 3-tägige Reformations-Jubelfest mit Kirchen- und Schulfeiern sowie einen großen Festumzug. Da die Pfarrstelle verwaist ist, formiert sich der Umzug zur festlich geschmückten Kirche vor dem Haus des Schultheißen Georg Adam Hoßfeld. Jedes Schulkind erhält zur Erinnerung das "Jubelbüchlein für die liebe Schuljugend".
Den 400-jährigen Geburtstag des Reformators begeht das Dorf 1883 mit der Einweihung des "Luthergartens" (Luthereiche). Das Gedenken an den Reformator im Lutherjahr 1983 soll die "Luther-Linde" bewahren, die der Gärtner Paul Hermann am 10.11.1983 im Beisein von Pfarrer Kister und einer kleinen Gemeinde am Friedhof als jungen Stamm in die Erde pflanzt."


07.11.2006
GEHAUS – Zum ersten Arbeitseinsatz für den Erhalt der Gehauser Kirche versammelten sich rund 30 Frauen und Männer, darunter der Heimatpflegeverein, der Kirmesverein sowie zahlreiche weitere freiwillige Helfer aus Gehaus und den umliegenden Ortschaften.
Zur Bestürzung von Pfarrer Thomas Göhring erreichte ihn ein Anschreiben des Kreiskirchenamtes in Meiningen mit einem vorläufigen Gutachten über die Bausubstanz des Kirchengebäudes. Darin heißt es unter anderem, „dass eine Schließung der Kirche vorerst noch nicht nötig ist“, obwohl der fortschreitende Verfall des Gebäudes festgestellt wurde. Dieser Brief, der die Gemeinde in erster Linie beruhigen sollte, führte jedoch zur Sorge der Gemeindeglieder um den Fortbestand ihres Gotteshauses.
Das Kreuzgewölbe des Kirchenhimmels habe sich im Laufe der Jahre stark verformt, stellte der Baubeauftragte der Landeskirche fest. Des Weiteren sei es aufgrund von Wasserschäden zu Zersetzungserscheinungen bei tragenden Holzbalken in Teilen der Dachstuhlkonstruktion gekommen, wobei sich die Erneuerungskosten auf schätzungsweise 35 000 Euro belaufen. Durch die verwitterten Elemente entstanden defekte Knotenpunkte in der Dachkonstruktion, wodurch die optimale Lastenverteilung nicht mehr gewährleistet ist.
Daneben ergibt sich ein weiteres Problem aufgrund der kurz nach der Wende angebrachten Tapetenbahnen am Kirchenhimmel. Diese unsachgemäße Deckenverkleidung des ausladenden Kreuzgewölbes führt nun dazu, dass sich die Tapete Stück für Stück wieder ablöst und herabhängt. „Wenn wir hier nicht in kürzester Zeit etwas unternehmen, werden uns während des Gottesdienstes die Tapetenteile auf den Kopf fallen“, befürchtet Pfarrer Göhring.
Dass die seit dem Jahre 1777 zur Kirche gehörende Orgel schon seit längerem nicht mehr bespielbar ist, daran haben sich viele Gehauser Gläubige fast gewöhnt, hat doch der umsichtige Pfarrer mit der Anschaffung eines Keyboards versucht, die Qualität des Gottesdienstes beizubehalten. „Es ist jedoch jammerschade, dass ein solch prächtiges Instrument mit immerhin 100 Pfeifen und insgesamt 24 Registern nicht mehr zum Einsatz kommen soll“, beklagt der Kirchenälteste Karl-Heinz Hoffmann. „Ein Keyboard bietet auf Dauer doch keinen adäquaten Ersatz für unsere altehrwürdige Orgel“.
Die Gemeindeglieder stehen hinter Pfarrer Göhring und dem großangelegten Sanierungsprojekt. „Wenn es im Jahre 1777 möglich war, dass die arme Rhöner Landbevölkerung sich als Gemeinde eine so wunderbare Orgel schenkte, dann können wir das vielleicht mehr als 200 Jahre später ebenfalls schaffen“, sagt der Geistliche und hofft dabei auf die Unterstützung der Bevölkerung. Als schwierig dürfte es sich erweisen, da die Instandsetzung der Orgel laut einem entsprechenden Gutachten bis zu 200 000 Euro kosten kann.
Der Erhalt ihres Gotteshauses liegt den Einwohnern von Gehaus sowie der benachbarten Gemeinden sehr am Herzen. In der Gehauser Kirchengeschichte finden sich schließlich ideelle und materielle Schätze. Hier wurden unter anderem berühmte Persönlichkeiten wie etwa Hermine Meyer getauft. Sie unterstützte als Gattin von Joseph Meyer zwischen 1840 und 1855 ihren Ehemann bei der Herausgabe des weltbekannten 52-bändigen „Großen Konversationslexikons“, das in einigen Haushalten nach wie vor eine gehütete Kostbarkeit im Bücherregal darstellt. Außerdem findet sich in der evangelischen Kirche zu Gehaus eine der seltenen Dölker-Batiken. Susanne Dölker, die Tochter des 1955 verstorbenen Rhönmalers Richard Dölker, entwarf das Kunstwerk auf der Basis von Ansichtskarten. Über dem abgebildeten Gehaus schwebt eine große Engelsfigur. „Sie wird von uns allen ,der Gehauser Engel‘ genannt, der unser Dorf vor Unheil bewahrt“, erklärt Pfarrer Göhring die Bedeutung des Bildes für seine Gemeinde. „Noch vor der Wende habe ich gemeinsam mit unserem ehemaligen Pfarrer Victor Otto den Kontakt zu Susanne Dölker in der BRD gesucht und ihr Postkarten mit der Ansicht unseres Ortes zugesandt“, berichtet der Kirchenälteste Hoffmann, während er mithilft, unzählige Eimer mit Bauschutt, der die Erneuerung der Balken beeinträchtigt, vom Dachboden der Kirche zu räumen. „Als die Dölker-Tochter unsere Kirchenbatik vollendet hatte, war wie durch ein Wunder endlich auch die Mauer gefallen und wir mussten das Kunstwerk gar nicht im Geheimen nach Gehaus schmuggeln, sondern konnten es 1990 ganz feierlich persönlich von ihr in Empfang nehmen“, berichtet Reinhold Lotz, der als Vorsitzender des Heimatpflegevereins ebenfalls die Baumaßnahmen unterstützt.
„Wir werden nicht zulassen, dass unsere Kirche zerfällt, mit der wir aufgewachsen sind und die uns so viel bedeutet“, erklärt Lotz mit Bestimmtheit. Mehrere Arbeitseinsätze werden noch nötig sein, um diesem Ziel näher zu kommen. Tatsächlich ist es eine immense Herausforderung für die kleine Gemeinde, die hohen Summen für die Restaurierung von Dachstuhl, Kirchenhimmel und Orgel zusammenzutragen. „Wir haben inzwischen schon einige Finanzierungspläne entwickelt“, so Lotz, „etwa die Vergabe von Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen oder auch für zu erneuernde Dachbalken“. „Auf diese Weise würde das Dach unserer Kirche im wahrsten Sinne des Wortes durch die einzelnen Glieder der Gemeinde getragen“, führt Pfarrer Göhring den Gedanken fort.
Ohne Hilfe von außen jedoch droht das Projekt zu scheitern, „denn wir benötigen unbedingt noch Freiwillige, die in der Lage sind, Zimmermanns- oder Dachdeckerarbeit zu verrichten und außerdem wäre der Einsatz einer Gerüstbaufirma unbedingt nötig bei den noch anstehenden Arbeiten, bei denen auch Teile des Daches abgedeckt werden müssen“, sagt Göhring.
Neben einem allgemeinen Spendenaufruf wird die Gemeinde in der Weihnachtszeit zu Benefizkonzerten einladen, deren Erlös für die Kirchensanierung eingesetzt wird. „Leider können wir von der staatlichen Denkmalbehörde aufgrund von Kürzungen bei der Mittelvergabe keine finanziellen Zuschüsse mehr für den Erhalt unserer Kirche erwarten“, bedauert der Pfarrer, „wir haben aber bereits an die Beantragung von Lottomitteln beim Land Thüringen gedacht und hoffen dazu auch auf die Unterstützung des zuständigen Landtagsabgeordneten“. CHRISTINA FEIGE


 | Außenansicht, April 2004 |  | Kirchenfenster, April 2004 |  | Altarraum, Weihnachten, 2003 |  | Altarraum, Erntedankfest, Oktober 2004 |  | Innenraum, Kirchenschiff, April 2004 |
"Schon 977 werden Güter des Klosters Raßdorf in Oechsen erwähnt. Die Bewohner von Oechsen mussten Zins an das Kloster bezahlen. Da sie sonst freie Bauern waren, gefiel ihnen die Belastung nicht. Sie verweigerten die Abgaben. Ihre Eingaben an Kaiser Otto II. und an den Papst wurden zurückgewiesen mit der Begründung, die Raßdorfer hätten die Laurentiuskirche gebaut und dafür müsste Zins entrichtet werden.
Der Schutzpatron der Kirche ist der Märtyrer Laurentius, der nach der Legende im Jahre 258 auf dem Rost verbrannt wurde, weil er dem Kaiser, der von ihm Schätze der Kirche verlangte, die Armen der Gemeinde brachte und erklärte, diese seien der wahre Schatz der Kirche.
Später hatten die Oechsener ihren Kummer mit einem Mann namens Erpho von Nithardishausen. Dieser hatte sich auf einem Berg gegen- über der Kirche niedergelassen und eine Burg gebaut, die so- genannte Schönburg. Aus dieser Zeit stammt vielleicht noch der Kirchturm. Er diente in alter Zeit als Wehrturm. Der Eingang soll sich in der ersten Etage befunden haben. Bei Belagerung wurde die Leiter eingezogen, so dass es keine Möglichkeit mehr gab, in den Turm einzudringen.
Wieviel Kirchen in den Jahrhunderten an diesen Turm angebaut waren, kann man nicht mehr sagen. Bekannt ist nur, dass die Kirche von 1576 im Jahre 1801 abgerissen worden ist. Die Begründung zum Abbruch erscheint uns heute kurios. Es konnte sich nämlich nicht jeder Einwohner einen eigenen Platz in der Kirche kaufen, der dann für ihn reserviert war. Leider wurde bei diesem Neubau dar alte Altarraum mit dem gotischen Gewölbe nicht mit einbezogen.
Wenn wir uns in der Kirche umsehen, vermissen wir den Tauf- stein. Auch das hat seine geschichtlichen Hintergründe. Bis 1815 war Oechsen hessisch und gehörte damit der reformierten Kirche an. Es ist, neben anderem, Eigenart der reformierten Kirche, dass beide Sakramente, Heilige Taufe und Heiliges Abendmahl, vom Altar her gespendet werden."
Text: Arthur Stütz (Wölferbütt), zitiert nach Günter Kaiser, "Meine Heimat, Kirchen - Landschaften - Denkmäler"

„Ein kleiner bartloser Kopf befindet sich an einem Quaderstein an der Südostecke des Turmes, mit dem Stein aus einem Stück gemeißelt. Der untere Hauptteil des Turmes ist viereckig, darauf steht ein beschiefertes, achteckiges Geschoß, das von einer Schweifkuppel gekrönt wird.
Der Hauptraum der Kirche ist im Jahre 1801 an stelle einer älteren baufälligen Kirche erbaut worden, die aus dem Jahre 1586 stammte. Der aus Stein gemauerte Altar, mit einer Sandsteinplatte bedeckt, ist an der Ostseite aufgestellt. Hinter dem Altar steht eine Altarwand, aus der die Kanzel balkonartig heraus geragt ist. Darüber befindet sich die Orgelempore. An der Orgel ist das kurhessische Wappen angebracht. Das Orgelgehäuse ist mit Schnitzereien verziert, in denen Motive des Roccoco- und des antikisirenden Stils neben einander vorkommen. Mit der Zeit des Baues von 1801 ist dies wohl vereinbar. Die Jahreszahl 1801 steht in dem Schlussstein des Westportals, darauf ebenfalls der Name des Maurermeisters:
Johann Georg Enders in Völkershausen. Die gegenwärtige Bemalung des Inneren wurde im Jahre 1896 von den Malern Rosenthal und Grau in Eisenach ausgeführt. Grabstein mit Hossfeldschen Wappen, im Turm Glocke aus dem Jahre 1523.
Die Dorflinde, ein sehr alter Baum von auffallender Stärke, steht auf einen hohen, halbrund ummauerten Platz, zu dem vier hohe Stufen empor führen. Auch der 6m im Umfang messende Stamm der Linde ist rund ummauert. Im Dorfe einige alte Holzfachwerkhäuser mit Schnitzereien. Die Schöneburg oberhalb des Dorfes Oechsen. Von dem alten Schloss, das Erpho v. Nithardishusen um 1214 gegründet hat, sind noch Mauerreste vorhanden."
aus: "Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens" von Prof. Dr. P.Lehfeldt und Prof. Dr. G.Yoss, IV.Band, Jena, Verlag von Gustav Fischer 1911
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